Kinder teilen mehr als Infekte
Wir denken oft, das Mikrobiom eines Kindes werde hauptsächlich von Mutter und Familie geprägt. Eine neue Nature Studie zeigt nun: Auch andere Kinder formen das Darmmikrobiom massiv mit.
Forscher analysierten mehr als 1.000 Stuhlproben aus italienischen Krippen und konnten auf Stammebene verfolgen, wie bakterielle Linien zwischen Kindern übertragen werden. Bereits nach wenigen Wochen entstanden messbare mikrobielle Netzwerke innerhalb der Gruppen. Manche Bakterienstämme breiteten sich regelrecht durch ganze Krippenklassen aus.
Die Studie zeigt außerdem: Nach Antibiotika wurden entstandene ökologische Lücken offenbar rasch wieder durch neue Stämme aus dem sozialen Umfeld gefüllt. Gleichzeitig hatten Kinder mit Geschwistern bereits ein diverseres Mikrobiom und nahmen weniger neue Stämme aus der Krippe auf.
In dieser Folge geht es um eine faszinierende Idee: Das frühkindliche Mikrobiom entsteht nicht nur vertikal innerhalb der Familie, sondern auch horizontal durch soziale Kontakte. Die Krippe wird damit zu einem biologischen Begegnungsraum, in dem Gemeinschaft direkt in die Darmökologie eingreift. Vielleicht sind Menschen mikrobiologisch viel stärker miteinander verbunden, als wir bisher angenommen haben.